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Naturgefahrenbulletin des Bundes

Ausgabedatum: Dienstag, 22. Juli 2014 16:00 Uhr
Nächste Information: Mittwoch, 23. Juli 2014 12:00 Uhr

Prozess Stufe Betroffene Gebiete von bis
Regen 3 Berner Oberland, Entlebuch, Langnau-Eggiwil, Sarnen-Lungern, Thun-Belp, Wahlern-Plaffeien 21.07.14, 00 Uhr 22.07.14, 22 Uhr
Regen 3 zentraler Alpennordhang, östlicher Alpennordhang 21.07.14, 18 Uhr 23.07.14, 03 Uhr
Hochwasser 3 Brienzersee 22.07.14, 12 Uhr 23.07.14, 12 Uhr
Hochwasser 2 Aare unterhalb Bielersee, Aare unterhalb Thunersee, Emme, Hochrhein , Kleine Emme, Limmat, Reuss, Sihl, Thur 20.07.14, 12 Uhr 23.07.14, 12 Uhr
Hochwasser 2 Bielersee, Murtensee, Neuenburgersee, Thunersee, Vierwaldstättersee 21.07.14, 12 Uhr 23.07.14, 12 Uhr
Hochwasser 2 Alpennordseite, Wallis 22.07.14, 00 Uhr 23.07.14, 12 Uhr

Intensiver Dauerregen am Alpennordhang sowie Hochwassergefahr an Flüssen und Seen

Bis Dienstagnacht werden am Alpennordhang Starkniederschläge erwartet. Die Niederschläge führen an den Fliessgewässern und Seen auf der Alpennordseite zu markanten Pegelanstiegen.

Wetter/Niederschläge

Aktuelle Situation

Nach dem Kaltlufteinbruch über Westeuropa vom Sonntag auf Montag hat sich ein umfangreiches Tiefdrucksystem mit mehreren Teilwirbeln über dem zentralen Mittelmeerraum und Mittel- und Südosteuropa gebildet.

Während der ersten Phase des Ereignisses (Schauer und Gewitter von Sonntagnachmittag bis Montagmorgen) fielen in einem Streifen vom Unterwallis über die Kantone Freiburg, Bern und Solothurn hinweg bis nach Basel 20 bis 50 mm Niederschlag. In den übrigen Gebieten fielen die Niederschläge mit 10 bis 20 mm weniger intensiv aus als erwartet.

Zwischen Montagmorgen und Dienstagnachmittag verursachte die Zufuhr feuchter Luft aus Ost- und Südosteuropa anhaltende, flächendeckende und teils ergiebige Niederschläge auf der Alpennordseite. Am westlichen Alpennordhang und im Jura sind in diesem Zeitraum 30 bis 40 mm, im östlichen Jura sowie punktuell in den westlichen Voralpen lokal um 60 mm Regen gefallen.
Die Niederschläge dauern in diesen Gebieten mit schwacher Intensität noch bis heute Abend an, die Warnung wurde plangemäss um 1500 Uhr aufgehoben.

 

Prognose

Zwischen den Berner Alpen und Voralpen und dem Säntisgebiet sowie im angrenzenden Flachland der Deutschschweiz dauern die Niederschläge noch an, bis am Dienstagabend sind noch 10 bis lokal 30 mm Regen zu erwarten. Diese Warnung wird voraussichtlich im Verlauf des Abends aufgehoben.

Fliessgewässer und Seen

Aktuelle Situation

Die andauernden Niederschläge haben viele Fliessgewässer markant ansteigen lassen, insbesondere die kleineren und mittleren Zuflüsse im Berner Oberland, in Teilen vom Wallis (Lötschental), in der Zentralschweiz und zunehmend auch im östlichen Mittelland. Aktuell werden bereits an Kander und Lütschine Abflüsse der Gefahrenstufe 4 beobachtet, an der oberen Aare (Zufluss Brienzersee) wurde Gefahrenstufe 2 erreicht. Starke Abflussanstiege werden auch an der Emme sowie an sämtlichen Zuflüssen im zentralen und östlichen Mittelland registriert. Infolgedessen erhöhen sich zunehmend auch die Wasserstände und Abflüsse an den grösseren Voralpenseen und Fliessgewässern. Aktuell werden hier noch keine Pegelstände oberhalb der Gefahrenstufe 2 registriert.

Prognose

Die Wasserführungen in den Fliessgewässer werden auf die aktuellen und vorhergesagten Niederschläge rasch reagieren. Die Böden sind in den betroffenen Gebieten mittlerweile weitgehend wassergesättigt und können kaum noch weitere Niederschläge aufnehmen. Somit gelangt ein grösserer Teil der Niederschläge direkt zum Abfluss. Weitere Abflusszunahmen werden nun vor allem an den mittleren und grösseren Fliessgewässern erwartet. Die Aare wird neu durchgehend mit Gefahrenstufe 2 bewarnt (neu auch zwischen Brienzersee und Bielersee). Die Aktivierung des Entlastungsstollen am Thunersee wird für einen zusätzlichen, aber kontrollierten Abflussanstieg in der Aare bei Bern sorgen. Die Warnung für die Reuss wird auf den Zufluss Kleine Emme und die Urner Reuss (Zufluss Vierwaldstättersee) ausgedehnt (Gefahrenstufe 2). Der Abfluss an der Limmat unterhalb des Zürichsee wird voraussichtlich ebenfalls den Bereich der Gefahrenstufe 2 erreichen, nicht zuletzt durch die erwarteten Abflussanstiege in der Sihl. Für Thur und Hochrhein werden weiterhin Abflüsse im Bereich der Gefahrenstufe 2 vorhergesagt.

Bei den Seen werden neu der Brienzersee mit Gefahrenstufe 3 und der Thunersee mit Gefahrenstufe 2 bewarnt. Neuenburger-, Bieler- und Vierwaldstättersee verbleiben nach aktuellen Prognosen im Bereich der Gefahrenstufe 2. Es kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass ab Mittwoch der Boden- und der Walensee die Gefahrenstufe 2 erreichen.

Station Gefahrenstufe Maximum Zeitpunkt Maximum
Aare-Murgenthal 2 700 - 800 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Bielersee - Ligerz 2 429.6 - 430 m ü. M. 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Brienzersee - Ringgenberg 3 464.80 - 465.05 m ü. M. 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Emme-Wiler 2 200 - 300 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Kleine Emme-Emmen 2 170 - 300 m³/s 22.07.14, 11:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Lac de Neuchâtel - Neuchâtel 2 429.60 - 429.80 m ü. M. 22.07.14, 18:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Limmat-Baden 2 250 - 380 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Murtensee - Murten 2 429.60 - 429.80 m ü. M. 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Reuss-Mellingen 2 480 - 600 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Reuss-Seedorf 2 200 - 300 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Rhein-Basel 2 2500 - 3000 m³/s 22.07.14, 18:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Sihl-Zürich 2 100 - 190 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 06:00 Uhr
Thunersee - Spiez 2 557.80 - 558.10 m ü. M. 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Thur-Halden 2 200 - 500 m³/s 22.07.14, 12:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr
Vierwaldstättersee - Luzern 2 433.90 - 434.20 m ü. M. 22.07.14, 18:00 Uhr - 23.07.14, 12:00 Uhr

Massenbewegungen

Aktuelle Situation

Aufgrund der andauernden Niederschlägen sind die Böden weitgehend wassergesättigt. Lokal haben sich bereits Hangrutschungen ereignet.

Prognose

Mit den zusätzlich erwarteten Niederschlagsmengen sind die Voraussetzungen für das Auftreten von Hangrutschungen weiterhin erfüllt. In den betroffenen Regionen sind daher aufgrund der hohen Wassersättigung der Böden weitere spontane Abgänge von Hangrutschungen zu erwarten.  

Colonna da context