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Naturgefahrenbulletin des Bundes

Ausgabedatum: Sonntag, 30. August 2020 15:00 Uhr
Nächste Information: Montag, 31. August 2020 11:00 Uhr


Ende intensiver Dauerregen auf der Alpensüdseite und in den zentralen und östlichen Alpen. Weiterhin Hochwassergefahr im Tessin, in den zentralen und östlichen Alpen und in den angrenzenden Gebieten. 

Der intensive Dauerregen auf der Alpensüdseite und in den zentralen und östlichen Alpen geht zu Ende. Es werden keine unwetterartigen Niederschläge mehr erwartet. Damit ist das Niederschlags-Warnereignis abgeschlossen. Mehrere Flüsse haben die Gefahrenstufen 2 und 3 erreicht. Aufgrund der anhaltenden Niederschläge bleibt die Hochwassergefahr für Sonntag in den betroffenen Regionen bestehen. 
Prozess Stufe Betroffene Gebiete von bis
Hochwasser 3 Alpenrhein, Ticino 29.08.20, 12 Uhr 31.08.20, 11 Uhr
Hochwasser 3 Thur 30.08.20, 15 Uhr 31.08.20, 11 Uhr
Hochwasser 2 Maggia, Urner Reuss 29.08.20, 00 Uhr 31.08.20, 11 Uhr
Hochwasser 2 Inn , Lago di Lugano, Tresa 29.08.20, 12 Uhr 31.08.20, 11 Uhr
Hochwasser 2 Emme, Kleine Emme, Reuss, Sihl-Zürich 30.08.20, 15 Uhr 31.08.20, 11 Uhr

Wetter  (Stand: 30.08.2020, 15:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Die aktive Störungszone über der Schweiz zieht nordostwärts ab. Damit schwächen sich die unwetterartigen Niederschläge auch im Norden und Osten ab. Zwischen Freitagmorgen und Sonntagnachmittag sind im mittleren Tessin 200 bis 250 mm gefallen, mit Spitzen von 280 bis 350 mm in Richtung Lavizzara und einem Teil der Verzasca. Im Bereich des Alpenkamms wurden im Süden 140 bis 200 mm gemessen. In den den zentralen und östlichen Alpen bis zum Rheintal wurden 90 bis 140 mm, in der Surselva teils bis 170 mm Regen registriert. Die Schneefallgrenze lag zwischen 3000 und 3500 Metern und sank erst gegen Ende des Ereignisses aus Westen auf 2300 bis 1800 Meter.  

Prognose

Es werden keine unwetterartigen Niederschläge mehr erwartet. Damit ist das Niederschlags-Warnereignis abgeschlossen.

Fliessgewässer und Seen  (Stand: 30.08.2020, 15:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Seit Freitag lassen intensive Regenfälle im Tessin und in den zentralen und östlichen Alpen die Pegel stark ansteigen. Im Süden haben die Flüsse Maggia und Ticino die Gefahrenstufe 2 erreicht, und mehrere kleine Flüsse sind wegen der intensiven Gewitter vorübergehend über die Ufer getreten. Eine ähnliche Situation ist weiter nördlich zu beobachten. Regional sind stark erhöhte Abflüsse zu beobachten. Der Pegel des Alpenrheins liegt knapp unterhalb der Grenze zur Gefahrenstufe 2, der Inn hat die Gefahrenstufe 2 erreicht.

 
 

Prognose

Die am Sonntag noch erwarteten Niederschläge im Tessin und in den zentralen und östlichen Alpen werden weiterhin zu einem raschen Anstieg der Pegel führen. Die aktuellen Warnungen bleiben in allen betroffenen Regionen aktiv.

Der Alpenrhein wird weiter ansteigen und voraussichtlich heute Sonntag in der zweiten Tageshälfte die Gefahrenstufe 2 oder allenfalls die Stufe 3 erreichen.

Der Abfluss der Maggia liegt seit Sonntagmorgen bereits im Bereich der Gefahrenstufe 2. Die Thur wird im Verlaufe des Tages ebenfalls in die Stufe 2 ansteigen und kann später die Stufe 3 erreichen.

Der Wasserstand des Lago Maggiore ist zwischen Samstag- und Sonntagmorgen innerhalb von 24 Stunden bereits um etwa 60 cm angestiegen ist und wird weiter ansteigen. Er wird aber voraussichtlich unterhalb der Gefahrenstufe 2 bleiben.

Gemäss den neuesten Vorhersagen werden der Lago di Lugano und die Tresa beim Seeausfluss unterhalb der Gefahrenstufe 2 verbleiben. Da der See jedoch noch nicht seinen Höchststand erreicht hat, bleibt die Warnung aktiv.

Am Sonntagnachmittag bewegt sich die aktive Niederschlagszone rasch in Richtung Zentralschweiz und Alpennordseite. Die Flüsse in diesen Gebieten werden rasch ansteigen. Die Sihl, die Kleine Emme, die Reuss und die Emme können am Sonntagabend die Gefahrenstufe 2 erreichen.

Mit dem Ende der Niederschläge wird sich die hydrologische Situation ab Sonntagabend allmählich entspannen.

 

 
 
Station Gefahrenstufe Maximum Zeitpunkt Maximum
Emme-Wiler 2 200 - 400 m³/s 30.08.20, 15:00 Uhr - 31.08.20, 06:00 Uhr
Inn-Martina 2 320 - 350 m³/s 29.08.20, 20:00 Uhr - 30.08.20, 23:00 Uhr
Kleine Emme-Emmen 2 300 - 400 m³/s 30.08.20, 15:00 Uhr - 31.08.20, 03:00 Uhr
Lago di Lugano - Melide 2 270.6 - 270.8 m ü. M. 30.08.20, 12:00 Uhr - 31.08.20, 18:00 Uhr
Maggia-Locarno 2 1500 - 2000 m³/s 30.08.20, 08:00 Uhr - 20:00 Uhr
Reuss-Mellingen 2 450 - 600 m³/s 30.08.20, 15:00 Uhr - 31.08.20, 06:00 Uhr
Reuss-Seedorf 2 230 - 300 m³/s 30.08.20, 12:00 Uhr - 18:00 Uhr
Rhein-Diepoldsau 3 1200 - 1700 m³/s 30.08.20, 12:00 Uhr - 31.08.20, 04:00 Uhr
Rhein-Domat Ems 3 800 - 1500 m³/s 30.08.20, 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Sihl-Zürich 2 90 - 150 m³/s 30.08.20, 15:00 Uhr - 31.08.20, 03:00 Uhr
Thur-Andelfingen 3 700 - 900 m³/s 30.08.20, 18:00 Uhr - 31.08.20, 06:00 Uhr
Thur-Halden 3 650 - 900 m³/s 30.08.20, 16:00 Uhr - 31.08.20, 03:00 Uhr
Ticino-Bellinzona 3 850 - 1000 m³/s 29.08.20, 14:00 Uhr - 30.08.20, 16:00 Uhr
Tresa-Ponte Tresa 2 50 - 70 m³/s 30.08.20, 12:00 Uhr - 31.08.20, 18:00 Uhr

Massenbewegungen  (Stand: 30.08.2020, 11:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Die grossen Niederschlagsmengen im Süden und Osten der Schweiz haben die Böden mit Wasser gesättigt. Erdrutsche, Murgänge und Steinschläge sind in den stark betroffenen Gebieten beobachtet worden. Getroffen wurden unter anderen Strassen, Bahnlinien und Häuser.

 

Prognose

Für Sonntag werden weitere ergiebige Niederschläge erwartet. Das betrifft insbesondere das Tessin, den Kanton Graubünden sowie die Ostschweiz.

Mit spontanen Hangrutschungen oder Hangmuren ist in Gebieten mit intensiven Niederschlägen und Gewitterzellen zu rechnen. Mittlere Regenintensitäten können für die spontane Auslösung von Hanginstabilitäten ausreichen, weil die Böden bereits stark gesättigt sind. Weitere Erosionsprozesse werden am Sonntag erwartet.

Es wird empfohlen, den Verlauf der Gewitterlinien zu verfolgen.